Im Gedicht «Epirrhema» bringt Goethe eine alte Weisheit poetisch auf den Punkt. Mit SpiraliK nutzen wir diese Sichtweise, um innere und äussere Konflikte in Beziehung zu setzen, wertvolle Erkenntnisse zu gewinnen und via Anregung der Selbstregulierung eigenverantwortlich zu lösen.
Aber warum sollte es überhaupt Zusammenhänge zwischen inneren und äusseren Konflikten geben? Auf den ersten Blick scheint das Innenleben des Körpers kaum etwas mit Geschehnissen in seiner Umgebung zu tun zu haben.
SpiraliK erforscht seit vielen Jahren gemeinsame Hintergründe von unterschiedlichen Bewegungsprozessen und nutzt die Resultate für den therapeutischen Einsatz. So hat sich gezeigt, dass Bewegungen auf ganz unterschiedlichen Ebenen ein gemeinsames Ziel haben, nämlich einen Beitrag zu leisten, um Bedürfnisse zu realisieren. Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, wie dieses Ziel erreicht werden kann, entweder durch innere oder durch äussere Bewegungen. In ausgeglichenen Fällen arbeiten beide Bewegungen Hand in Hand zusammen und realisieren Bedürfnisse in kooperativer Zusammenarbeit.
Das Zusammenspiel von inneren und äusseren Bewegungen lässt sich anhand der obenstehenden Grafik anschaulich darstellen. Jedes Symbol besteht aus fünf farbigen Kreisen, die miteinander in Beziehung stehen und zusammen ein Bewegungssystem bilden. Jeder Kreis kann in fünf kleinere Kreise aufgeteilt werden, welche innere Bewegungen abbilden, gleichzeitig ist er aber auch Teil von grösseren Kreisen, welche äussere Bewegungen symbolisieren. Die gleichartige grafische Darstellung zeigt, dass auf jeder Ebene die gleichen dynamischen Prinzipien vorherrschen. Die Bewegungen sind ineinander verschachtelt und wirken ständig aufeinander ein, sodass sie nicht als unabhängig voneinander betrachtet werden können, vielmehr bedingen sie sich sogar gegenseitig.
Diese Sichtweise vermittelt das Bild einer Welt als Netzwerk von Bewegungen, in der alle Teilnehmende eine Art «Bewegungsknoten» sind, aus dessen Standpunkt sie nach den immer gleichen Prinzipien mit anderen Knoten interagieren. Dabei nimmt jeder Standpunkt die Bewegungswelt aus seiner individuellen Perspektive als Spiegel seiner eigenen inneren Bewegungen – seines eigenen Standpunktes – wahr. So können wir mit SpiraliK beliebige innere und äussere «Bewegungsstandpunkte» miteinander in Beziehung setzen und auf die gleiche Art bearbeiten.
In Stresssituationen können Bewegungssysteme ihre Bedürfnisse nicht mehr durch ein ausgeglichenes Beziehungsnetz realisieren, sodass sie versuchen, ihre Umgebungsbedingungen zu ihren Gunsten zu beeinflussen, um so über Umwege doch noch ans Ziel zu kommen. Dadurch wird aber die Ausgangslage für andere Systeme beeinträchtigt, sodass diese ebenfalls versuchen, die Bedingungen in ihrem Sinne zu beeinflussen. Daraus entwickeln sich Konflikte um die Gestaltung von äusseren Bedingung zu Gunsten des einen oder anderen Anteils, sodass sich Stresssituationen in benachbarte Systeme ausbreiten, wodurch innere und äussere Konflikte automatisch gewisse Ähnlichkeiten aufweisen. Diese lassen sich therapeutisch nutzen, um unbewusste Anteile auf einfache Art aufzudecken.
Konfliktparteien investieren viel Energie in denjenigen Teil, mit dem sie sich identifizieren, was aus ganzheitlicher Sicht auf Kosten ihres inneren Gegenpols geht, welcher die gleiche Rolle einnimmt wie der äussere Konfliktpartner, aber der aktuellen Wahrnehmung nicht zugänglich ist. So vergrössern sich tendenziell alle drei Konfliktfelder, das äussere zwischen den Konfliktpartnern sowie ihre jeweiligen inneren Felder.
Die therapeutische Intervention fokussiert sich auf die Entschlüsselung der positiven Ressource des verdrängten inneren Konfliktanteils, die nicht mit demjenigen Anteil vereinbar ist, mit dem man sich in der äusseren Konfliktrolle identifiziert. Diese Erkenntnis und die Neuausrichtung der inneren Ressourcen durch gezielte Anregung der Selbstregulierung schafft ein neues Gleichgewicht zwischen den beiden inneren Konfliktanteilen, sodass sich auch der äussere Konflikt im gleichen Ausmass entspannt. So lassen sich äussere Konflikte eigenverantwortlich angehen und über den Ausgleich von inneren Konflikten Schritt für Schritt lösen. Dieses Vorgehen unterstützt auch Bestrebungen, Konflikte direkt mit dem äusseren Konfliktpartner anzugehen.
Folgendes Beispiel soll diese Zusammenhänge illustrieren: Nehmen wir an, es besteht ein Konflikt zwischen zwei Personen, in welchem sich Person A respektlos behandelt fühlt, weil Person B eine Arbeit nicht zeitgerecht erledigt hat. In der therapeutischen Arbeit mit Person A evaluieren wir ihr Bedürfnis in der Konfliktsituation als «Respekt», dasjenige von Person B aus Sicht von Person A mit «Entspannung». Statt ihrer Arbeit nachzugehen, um das Bedürfnis nach Respekt von Person A zu realisieren, hat Person B (aus Sicht von Person A) ihrem Bedürfnis nach «Entspannung» den Vorzug gegeben. Aus ganzheitlicher Sicht schliessen wir daraus, dass bei Person A die Bedürfnisse nach «Respekt» und «Entspannung» auch nicht ausgeglichen sein können, sondern sie ihr eigenes Bedürfnis nach «Entspannung» nicht ausreichend respektiert, sodass sich dieses Muster auch in äusseren Beziehungen zeigt.
Wir können also äussere Konflikte auch als Einladung verstehen, das eigene Wesen zu reflektieren und eigenverantwortliche Lösungen anzustreben. Durch eine Neuausrichtung der inneren Ressourcen «Respekt» und «Entspannung» mittels Anregung der Selbstregulierung entwickelt sich das Gleichgewicht bei Person A in die gewünschte Richtung, was sich im gleichen Ausmass auch positiv auf den äusseren Konflikt mit Person B auswirkt.
Möchtest du deinen inneren Frieden und dadurch auch den äusseren Frieden unterstützen oder hast du Fragen zum Thema, freue ich mich auf deine Kontaktaufnahme. Unten findest du denselben Text auch als PDF-Dokument in Deutsch und Englisch.
22.9.2025