Die «Bewegungsspirale» ist der wesentliche Modellbaustein und ein wichtiges Werkzeug der SpiraliK. Sie ist Ausdruck der Integration der beiden Modelle «5 Wandlungsphasen» und «5 Prinzipien der Spiraldynamik®» zu einer neuen, übergeordneten Einheit und repräsentiert die dynamische Qualität von Bewegung auf der Schnittstelle von Körper und Geist. Dieser Artikel vermittelt eine kurze Einführung in Hintergründe, Interpretation und Anwendung des Ansatzes.
Nach den Lehren der Traditionellen Chinesischen Medizin lässt sich alles im Kosmos existierende in Bezug setzen zu den 5 Wandlungsphasen. Aus dieser vernetzenden Perspektive erscheint die Welt als Ganzheit, die aus verschiedenen Anteilen besteht, welche zusammen ein hochkomplexes Beziehungssystem bilden. Diese Perspektive erschliesst Zusammenhänge zwischen Aspekten, die aus einer klassischen Sichtweise nichts miteinander zu tun zu haben scheinen.
Einen ganz ähnlichen Ansatz verfolgt die Spiraldynamik® im Bereich der menschlichen Bewegungskoordination. Sie postuliert, dass unser Bewegungsapparat gemäss den universellen Prinzipien der Spirale organisiert ist und leitet daraus die Grundlagen von guter Bewegungsqualität ab. Die Organisationseinheit der Spirale lässt sich ebenfalls in 5 Prinzipien fassen, wodurch der Körper als vernetzte, dreidimensionale funktionelle Einheit erfahrbar wird.
Integration von Wandlungsphasen und Prinzipien der Spiraldynamik®:
Eine differenzierte Gegenüberstellung von Wandlungsphasen und Prinzipien der Spiraldynamik lässt auf eine gegenseitige Beziehung schliessen. Beide Modelle verkörpern aus ihrem jeweiligen Blickwinkel das Verständnis von Bewegungsprozessen als Grundlage allen Lebens in der Natur und beim Menschen. Somit leiten wir ab, dass beide Ansätze eine unterschiedliche Perspektive auf dasselbe bieten, so dass sie sich zu einem übergeordneten Bewegungsmodell integrieren lassen, das die Organisation von natürlichen Bewegungsprozessen auf fundamentaler Ebene repräsentiert.
Bezüge zwischen Wandlungsphasen, Spiraldynamik, Bewegungsspirale
Interpretation der Bewegungsspirale
Das Werkzeug liefert uns einen Rahmen, um die scheinbare Beliebigkeit von Bewegungsprozessen auf ihre archetypischen Wurzeln zurückzuführen und dadurch ihre Komplexität zu reduzieren. Die Grafik zeigt, wie verschiedene Energien bzw. Bewegungsprinzipien miteinander in Beziehung stehen, sich gegenseitig beeinflussen und zusammen eine Ganzheit bilden. Das subtile Zusammenspiel der Anteile sorgt dabei für ein dynamisches Gleichgewicht innerhalb gewisser Grenzen (Homöostase) und symbolisiert den Prozess der Selbstregulierung. Je besser es den Anteilen gelingt, sich durch ihre Wirkung gegenseitig günstige Bedingungen zu verschaffen, desto ausgewogener ist das dynamische Gleichgewicht, das sich u.a. in ganzheitlicher Gesundheit und Leistungsfähigkeit äussert. Die Qualität des Ganzen wird somit durch die Qualität des Zusammenspiels seiner Teile definiert.
Die Begriffe in der Bewegungsspirale repräsentieren die dynamische Qualität von Bewegung auf der Schnittstelle von Körper und Geist. Die Bewegungsdynamik dient uns als gemeinsame Sprache, um körperliche (strukturelle & funktionelle) sowie geistige (emotionale & mentale) Aspekte eines Prozesses auf einander zu beziehen, Zusammenhänge zu erkennen und zu einem übergeordneten körperlich-geistigen Muster zu vernetzen.
Stresserfahrungen können das ausgewogene Zusammenspiel von körperlichen und geistigen Anteilen aus dem Gleichgewicht bringen und die Qualität des Ganzen beeinträchtigen. Am Beispiel der Beziehung zwischen Grün und Gelb bedeutet dies, dass die Stabilisierung des Wachstums von Grün zu einer Beeinträchtigung der Bewegung der Identität von Gelb führt bzw. dass die Bewegung der Identität von Gelb die Stabilisierung des Wachstums von Grün stört. Um ungünstige Einflüsse zu kompensieren, müssen die Anteile mehr Energie in ihre Ausrichtung investieren, womit sich aber ihre negative Wirkung auf den Gegenanteil vergrössert, sodass sich das System in einer selbstverstärkenden Dynamik immer mehr blockiert.
Therapeutische Anwendung
In unserem Beispiel wählt eine Klientin die Farben Grün und Gelb, der Kinesiologe bestätigt diese jeweils mit einem ausgeschalteten Muskeltest. In ihrer blockierten Situation kommt das grüne Streben nach «Stabilität» bei Gelb als «Unbeweglichkeit» an, während die gelbe «Bewegung» von Grün als «Instabilität» wahrgenommen wird. Im therapeutischen Prozess beziehen wir die von der Klientin gewählte Dynamik auf ihre Thematik, sodass sie diese ganz konkret in ihrer körperlichen und geistigen Lebenswelt verorten kann.
Bei unserer Klientin sind das Schmerzen im rechten Kniegelenk auf körperlicher Ebene sowie eine Unklarheit bzgl. ihrer Arbeitssituation auf geistiger Ebene. Im Gespräch und mit Einsatz des Muskeltests wird klar, dass ihr gelber Anteil die Arbeitsstelle wechseln möchte (= «Identität bewegen»), der grüne Anteil hat hingegen Angst, dadurch seine erarbeitete berufliche Position zu verlieren (= «Wachstum stabilisieren»). Für den gelben Anteil wählt sie das Motiv «Erfolg» und für den grünen «Wertschätzung». Da die Anteile ihre Gegenüber als Gegenteil ihrer eigenen Ausrichtung erfahren, wird die grüne «Wertschätzung» von Gelb als «Misserfolg» und der gelbe «Erfolg» von Grün als «Abwertung» interpretiert, sodass keine ganzheitliche Lösung möglich scheint. Auf körperlicher Ebene zeigt sich die Unvereinbarkeit von «Stabilität» und «Bewegung» bzw. «Wertschätzung» und «Erfolg» in einer Instabilität mit gleichzeitiger Bewegungseinschränkung im rechten Kniegelenk.
Aus dieser Erkenntnis gibt sich unsere Klientin den Zielsatz: «Ich wertschätze mich erfolgreich». Anschliessend werden die Ressourcen «Wertschätzung» und «Erfolg» mittels spezifischen Ausgleichstechniken neu aufeinander ausgerichtet, so dass sich die Anteile mit ihrer eigentlichen Natur neu begegnen und sich die negativen Prägungen der Blockierung Schritt für Schritt auflösen.
Dieser Artikel ist auch in der Fachzeitschrift «Forum Kinesiologie» vom März 2026 erschienen.
Bewegungsspirale – ein archetypisches Bewegungsmodell
6.2.26